Bernd Zeller geriet mit Satire in den Streit um Cancel Culture, nachdem er zwischen 2020 und 2022 Cartoons für ein AfD-Mitgliederblatt gezeichnet hatte. Für viele brach damit der Kontakt zum Mainstream ab, obwohl er zuvor längst zu den bekannten Karikaturisten und Satirikern zählte.
Der Bruch kam nicht aus dem Nichts. Zeller hatte seit Mitte der 1990er Jahre als Gag-Autor für die Harald Schmidt Show gearbeitet, 2007 erschien Die offizielle Autobiografie von Osama bin Laden, 2013 folgte Lost Merkel, und seine Arbeiten liefen auch bei Titanic und Spiegel Online.
Harald Schmidt Show und Bücher
Die frühe Laufbahn erklärt, warum der Streit mehr ist als ein Randthema. Wer ihn nur über die AfD-Debatte liest, übersieht, dass Zeller zuvor über Jahre in einem etablierten satirischen Umfeld arbeitete und mit mehreren Veröffentlichungen sichtbar war. Seine Position im deutschen Humorbetrieb war damit vor dem Konflikt klar umrissen.
Genau das macht den Fall sperrig. Satire soll zuspitzen und gegen den Strich gehen, doch bei Zeller wurde dieselbe Haltung später als Belastung gelesen, sobald die Arbeit für das AfD-Mitgliederblatt dazukam. Der Text beschreibt die Wirkung als vollständigen Bruch mit dem Mainstream für viele, nicht als kleine Irritation.
Jena, Erfurt und die Vesten
Vor dem AfD-Parteitag in Jena traf der Autor Zeller wenige Tage zuvor. Dort erklärte er auch ein Detail, das den politischen Ton seiner Zeichnungen greifbar macht: Die gelben Westen an Fenstern und Balkonen standen für „Widerstand gegen die andere Partei – die Opposition –, deren Parteitag sie verhindern wollen“.
Der AfD-Parteitag fand in Erfurt statt. Aus Leserperspektive bleibt damit vor allem die Folge des Konflikts wichtig: Zeller steht als Beispiel dafür, wie schnell ein Satiriker nach Arbeiten für ein politisches Lager aus dem vertrauten kulturellen Umfeld herausfallen kann.







