Peter Gülke stirbt mit 91 Jahren in Weimar

Peter Gülke stirbt mit 91 Jahren in Weimar

Peter Gülke ist mit 91 Jahren gestorben. Weimar verliert damit eine Ausnahmeerscheinung im Musikbetrieb, deren Wirkung weit über Thüringen hinausreichte. Der Dirigent und Musikwissenschaftler prägte über Jahrzehnte nicht nur Aufführungen, sondern auch den Blick auf Werke und ihre Geschichte.

Weimar und die Staatskapelle

Anfang der 80er Jahre dirigierte Gülke die Weimarische Staatskapelle mit W.A. Mozarts Zauberflöte im Nationaltheater Weimar. Kurz darauf verließ er die DDR und Weimar. Der Schritt trennte ihn von einem Ort, an dem er künstlerisch schon früh sichtbar geworden war.

Am 28. August 2021 stand er im Großen Saal des Lauchstädter Kurhauses erneut vor der Staatskapelle Weimar. Mit Andreas Staier spielte das Orchester Mozarts G-Dur-Klavierkonzert KV 453. Unmittelbar danach begann Gülke mit den musikalischen Proben für die Wiederaufnahmen der historischen Weimarer Fassung der Zauberflöte im Goethe-Theater.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Gülke

Gülke wurde als bedeutender Dirigent und Musikwissenschaftler beschrieben. Er war Professor und Träger mehrerer Ehrendoktorwürden, also jemand, dessen Autorität nicht nur aus dem Taktstock kam, sondern auch aus der Wissenschaft. In den Materialien zu seinem Wirken erscheint er als „Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Gülke“.

Zu diesem Weimarer Projekt gehörte auch die kritische Auseinandersetzung mit der Textfassung seines Ururgroßvaters Christian August Vulpius, die Gülke gemeinsam mit der künstlerischen Leiterin Edda Moser ansprach. Diese Verbindung von Familiengeschichte und Opernwerk machte aus dem Abend mehr als eine normale Wiederaufnahme. Die Aufführungen fanden unter den seit 2020 geltenden Corona-Hygieneauflagen statt, also in einem Rahmen, der Proben und Vorstellungen zusätzlich begrenzte.

Christian August Vulpius

Bis 1811 leitete Christian August Vulpius das Goethe-Theater als Chefdramaturg unter Goethes Intendanz. Die historische Weimarer Fassung der Zauberflöte knüpfte damit an einen Stoff an, der in dieser Stadt über Generationen weiterverhandelt wurde. Gülkes Tod schließt nun die Biografie eines Musikers ab, der diese Linie nicht nur kannte, sondern immer wieder praktisch bespielte.

Für Weimar bleibt vor allem ein Name, der im Konzertsaal, im Opernhaus und in der Musikforschung gleichermaßen Gewicht hatte. Wer verstehen will, warum sein Verlust über Thüringen hinaus registriert wird, muss genau dort ansetzen: bei einem Dirigenten, der selten nur interpretierte und fast immer auch ordnete.

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