Putin nennt Gerhard Schröder als möglichen Vermittler
Wladimir Putin hat am 9. Mai bei einer außerordentlichen Pressekonferenz nach der Victory Parade in Moskau gerhard schröder als möglichen Vermittler für den Krieg in der Ukraine ins Gespräch gebracht. Der Kremlchef sagte, er könne sich Schröder von der europäischen Seite als Vermittler vorstellen und knüpfte direkte Gespräche mit Wolodymyr Selenskyj an Moskau als Ort.
Putin sagte: „Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen.“ Er fügte hinzu: „Wer sich mit mir treffen will, muss nach Moskau kommen“. Schröder hat in Deutschland wegen seiner engen Beziehungen zu Russland Kritik auf sich gezogen; nach Beginn des russischen Angriffskriegs brach er den Kontakt zum Kreml nicht ab und reiste 2022 nach Moskau, wo er nach eigenen Angaben Putin traf.
Moskau und Kiew
Putin erklärte auf der Pressekonferenz, eine friedliche Lösung sei Sache der Ukraine und Russlands. Russland sei dankbar, wenn jemand helfen wolle, sagte er. Gleichzeitig warf Putin Europa vor, den Konflikt eskalieren zu wollen, und sagte, Europa wisse, dass das Spiel teuer werden könne. Er sagte auch, der Konflikt tendiere zu einem Ende.
Für Kiew bleibt die Formulierung politisch heikel: Putin sagte, er sei zu direkten Gesprächen mit Selenskyj bereit, aber nur in Moskau. Zugleich stellte er klar, dass dies keine direkte Einladung an Selenskyj sei. Wenn bereits ein langfristiges Friedensabkommen erreicht worden sei, könne er Selenskyj auch an einem anderen Ort treffen.
Trump, Fico und Costa
Die Aussagen fielen in einer Phase, in der Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein Ende der Kämpfe derzeit auf Eis liegen und der Krieg in der Ukraine seit mehr als vier Jahren andauert. Die Vereinigten Staaten haben die Gespräche zuvor vermittelt. Donald Trump kündigte am Freitagabend einen dreitägigen Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland an, der am Samstag in Kraft trat; zugleich sprach Trump von einem Austausch von 1.000 Kriegsgefangenen auf jeder Seite zwischen Kyjiw und Moskau.
Putin wies außerdem Berichte über eine angebliche Botschaft zurück, die Robert Fico von Selenskyj überbringen sollte, und sagte: „Es gab keine persönliche Botschaft.“ Fico hatte erklärt, Selenskyj sei zu Gesprächen bereit. Parallel dazu berichtete die Financial Times am Donnerstag, dass EU-Staats- und Regierungschefs sich auf mögliche Gespräche vorbereiteten, während EU-Ratspräsident António Costa in Brüssel sagte, die EU sei grundsätzlich bereit, an möglichen Friedensverhandlungen teilzunehmen.
Costa sprach auf Europatag von einem „gerechter und dauerhafter Frieden“ für die Ukraine und sagte, direkte Gespräche mit Moskau würden langfristig unvermeidbar sein. Nach Putins öffentlicher Nennung Schröders liegt der nächste praktische Prüfstein darin, ob irgendeine europäische Figur bereit ist, eine Rolle zwischen Moskau und Kyjiw anzunehmen oder ob die Gespräche weiter an Ort, Format und Bedingungen scheitern.